Der Bestattungswald am Schiffenberg ist die jüngste unter den Gießener Begräbnisstätten und Ausdruck eines gewandelten Verständnisses von Abschied und Erinnerung. Während in Deutschland früher die Erdbestattung im Sarg üblich war, entscheiden sich heute in den Städten viele Menschen für eine Einäscherung und die Beisetzung der Urne. Zugleich wächst der Wunsch, die letzte Ruhe in natürlicher Umgebung zu finden. Diesem Bedürfnis folgend richtete die Stadt Gießen Anfang 2013 ein Waldstück am Fuße ihres Hausberges, des Schiffenberg, als Bestattungswald ein.
Der Name des Ortes reicht weit in die Geschichte zurück. Der benachbarte Schiffenberg mit seiner ehemaligen Klosteranlage gehört zu den ältesten und bekanntesten Kulturstätten der Region und verleiht dem Bestattungswald einen würdigen und geschichtsträchtigen Rahmen. Die Anlage selbst erstreckt sich über rund 2,6 Hektar und ist überwiegend mit Rotbuchen bestanden, vereinzelt finden sich auch Kiefer, Ahorn und Eiche. In einer ersten Stufe standen etwa 400 Bäume für Urnenbeisetzungen zur Verfügung. Nur wenige Meter nach Betreten der Waldschneise liegt ein mit natürlichen Materialien gestalteter Andachtsplatz, der Raum für Verabschiedung, Andacht und Gedenken bietet.
Anders als auf herkömmlichen Friedhöfen übernimmt hier die Natur die Grabpflege. Der Wechsel der Jahreszeiten und der sich langsam verändernde Bewuchs prägen den Ort, während Grabschmuck, Kerzen und Bepflanzung bewusst nicht vorgesehen sind. Das Angebot fand großen Zuspruch, sodass die verfügbaren Nutzungsrechte inzwischen vergeben sind. Damit hat sich der Bestattungswald am Schiffenberg in kurzer Zeit als fester und beliebter Bestandteil der Gießener Bestattungskultur etabliert.