Kleinlinden, mit seinem alten Namen Lindes, wurde erstmals 1269 urkundlich erwähnt und blickt damit auf eine lange Ortsgeschichte zurück. Über Jahrhunderte lag die letzte Ruhestätte des Dorfes rund um die Kirche. Eine erste hölzerne Kapelle auf dem alten Kirchhof an der Untergasse wurde 1612 erwähnt und schon ein Jahr später durch eine kleine Steinkapelle ersetzt, deren Bau 1613 begann und noch im selben Jahr eingeweiht wurde. Als das Gotteshaus 1864 bis 1866 durch einen Neubau am damaligen Ortsausgang ersetzt wurde, verlor der alte Standort seine zentrale Bedeutung.
Von der langen Bestattungstradition zeugen bis heute mehrere historische Grabsteine. Der wiederentdeckte Portalsturz der alten Kirche aus dem Jahr 1613 ist als Spolie in der Südwand der Friedhofskapelle eingelassen und trägt eine gut erhaltene Bauinschrift. Auf Initiative des örtlichen Vereinsarchivs veranlasste das Denkmalamt der Stadt Gießen im Jahr 2012, dass die bis dahin unbeachteten historischen Grabsteine an der Südwand der Kapelle angebracht und mit Erläuterungstafeln versehen wurden.
Der Zweite Weltkrieg hinterließ auch in Kleinlinden Spuren. Der schwere Luftangriff vom 6. Dezember 1944 forderte zahlreiche Todesopfer, an die bis heute erinnert wird. In der Nachkriegszeit wuchs der Ort durch die Aufnahme von Heimatvertriebenen und Sudetendeutschen deutlich an. Heute ist Kleinlinden mit rund 5000 Einwohnern der zweitgrößte Stadtteil Gießens, und der Friedhof bleibt ein wichtiger Ort des Gedenkens für die gewachsene Gemeinde.