Lützellinden, der südlichste Stadtteil von Gießen, wurde bereits 790 im Lorscher Codex erstmals erwähnt und blickt damit auf eine über tausendjährige Ortsgeschichte zurück. Wie in vielen Dörfern lag die letzte Ruhestätte ursprünglich rund um die Kirche. Ein Friedhof an diesem Standort ist schon für das Jahr 1278 belegt, und auch ein Pleban ist bereits 1261 dokumentiert. Der Ort war also schon früh eine selbstständige Eigenkirche mit eigenem Begräbnisplatz.
Die spätmittelalterliche Kirche war einst von einer nahezu quadratischen Wehrmauer mit Ecktürmen und vermutlich einem Graben umgeben, in die sich die Dorfbewohner bei Gefahr zurückziehen konnten. Reste dieser Kirchenburg waren bis ins 19. Jahrhundert erhalten. Der alte Kirchhof im geschützten Rund dieser Anlage diente über Jahrhunderte als Begräbnisstätte. Im Jahr 1743 entging die Kirche nur knapp einem großen Dorfbrand, dem 106 Häuser einschließlich des Pfarrhauses zum Opfer fielen.
Mit dem Wachstum des Ortes entstand später der heutige Friedhof am Faltergarten, der sich am südwestlichen Ortsrand befindet und über ausreichend Parkplätze verfügt. Geschichtlich war Lützellinden stets nach Wetzlar hin orientiert und gehörte erst seit 1979 zu Gießen. Diese Eigenständigkeit spiegelt sich bis heute in kirchlichen Besonderheiten wider. So gehört der Stadtteil als einziger Teil Gießens zur Evangelischen Kirche im Rheinland. Mit rund 2400 Einwohnern hat Lützellinden viel von seinem dörflichen Charakter bewahrt, und der Friedhof bleibt ein ruhiger und würdiger Ort des Gedenkens für die gewachsene Gemeinde.